Was von 2017 bleibt – und was uns 2018 erwartet

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2017 war unser erstes Bloggerinnen-Jahr. Im Januar starteten wir pinkmitglitzer und stellen seitdem Autorinnen und ihre Werke in den Mittelpunkt.

Um herauszufinden, was diese Entscheidung mit uns macht, griffen wir ein Jahr lang bewusst radikal nur zu Büchern, die von Frauen geschrieben wurden. Wie zu Beginn jeder neuen Gewohnheit, brauchte es einige Zeit, bis diese gezielte Auswahl genauso selbstverständlich wurde, wie es bisher der Griff zu etablierten, großen Autoren gewesen ist.

Zum Jahresende fassen wir kurz für euch zusammen, was vom Frauen-Bücherjahr 2017 geblieben ist – und geben euch auch schon einen ausgewählten Ausblick darauf, was uns 2018 erwarten wird!

Debüts

2017 haben wir euch die ersten Romane dieser Autorinnen vorgestellt (In der Reihenfolge unserer Beiträge): Fatma Aydemir, Alina Herbing, Chloe Arjidis, Luisa Maier, Lize Spit, Theresia Enzensberger, Julie Buntin, Ada Dorian, Juliana Kálnay, Sharon Dodua Otoo, Sasha Marianna Salzmann.

Unser Debüt des Jahres 2017:

Sasha Marianna Salzmann, Außer sich: Unangefochten der mutigste, gegenwärtigste Roman dieses Jahr. Eine Geschichte über die Herkunft und die Suche nach dem eigenen Ich– das Zwillingspaar Ali und Anton verkörpert eine Verbindung von Orient und Okzident, Frau und Mann und allem was dazwischenliegt. Achtung: Brathähnchen möchte man nach der Lektüre nicht mehr essen!


Während es 2017 bei vielen Debütantinnen so wirkte, als hätten sie sich abgesprochen, im ersten Roman ihre Herkunft und das Dorfleben zu verarbeiten, geht der Trend 2018 in die Ferne, die Vergangenheit oder das tiefste Innere. Besonders gespannt sind wir auf:

#Josefine Riecks Serverland: Ob Uto-oder Dystopie wird sich zeigen: Riecks entwirft eine Zukunft, in der das Internet Vergangenheit ist und von einer Gruppe Mittzwanziger wiederentdeckt wird.

#Anja Kampmann Wie hoch die Wasser steigen: Ein Ölbohrarbeiter verliert seinen besten Freund und beginnt eine Reise zurück zu seiner großen Liebe– über Ungarn, Westafrika, Malta bis ins Ruhrgebiet.

#Mareika Fallwickl Dunkelgrün fast schwarz: Nach 16 Jahren werden Marie, Raffael und Moritz von ihrer Vergangenheit eingeholt. Der Klappentext weckt automatisch Erinnerungen an Lize Spit.

#Claire-Louise-Bennett Teich: Dass das sogenannte Nature Writing eine Stärke der Briten ist, ist spätestens seit Helen MacDonald bekannt. Bennetts Protagonistin lässt ihr Leben hinter sich und zieht in ein einsames Cottage in Irland.

#Emma Glass Peach: Ein schmales Debüt, das es in sich hat: Der Klappentext verspricht intensiv körperliche, sinnliche, rhythmische Prosa. Die Handlung: Eine junge Studentin verarbeitet ihre Vergewaltigung

 

Große Namen

Diese Großen Namen aus dem englisch-, französisch- und deutschsprachigen Raum stellten wir euch 2017 vor: Ali Smith, Zadie Smith, Toni Morrison, Nina Bußmann, Olga Grjasnowa, Margaret Atwood, Annie Ernaux, Marion Poschmann, Lucia Berlin.

Bester Roman einer etablierten Autorin 2017:

Ali Smith, Autumn: Der erste Teil ihres Jahreszeiten-Zyklus eröffnete unser Lesejahr 2017. Inzwischen ist auch der zweite Roman, Winter, im englischen Original erschienen. Ali Smith ist die einzige Autorin, die dieses Jahr von uns beiden besprochen wurde (Autumn von Glitzer, Artful von Pink) und brachte sogar Glitzer soweit, jetzt das Gesamtwerk in Angriff zu nehmen.


Während es 2017 vor allem Übersetzungen großer Autorinnen waren, freuen wir uns im Frühjahr 2018 v.a. auf diese neuen deutschsprachigen Romane von bereits etablierten Autorinnen:

#Felicitas Hoppe Prawda: Auf den Spuren zweier russischer Schriftsteller reist die Büchnerpreisträgerin Hoppe durch Amerika.

#Angelika Klüssendorf Jahre später: Die Geschichte einer Ehe. Zugegeben: Der Klappentext klingt nicht gerade spannend, aber Pink, begeisterte Leserin der beiden Vorgängerromane April und Das Mädchen, kann den Erscheinungstermin Mitte Februar trotzdem kaum abwarten.

#Mercedes Lauenstein, Blanca: Die Journalistin schickt eine Fünfzehnjährige auf einen Roadtrip durch Italien. Eine Coming-of-Age-Story, auf die v.a. Glitzer gespannt ist.

#Svenja Leiber Staub: Mit ihrem Debüt Das letzte Land hat Leiber sich in unser Leserinnenherz geschrieben. Ihre klare Sprache und die mitreißende Story erinnern mehr an amerikanische Autorinnen als an ihre deutschsprachigen Kolleginnen. Ihr neuer Roman führt uns in die Wüste Saudi-Arabiens.

 

Internationale Romane

Im letzten Jahr war Frankreich als das Gastland der Frankfurter Buchmesse deutlich in den Verlagsprogrammen zu spüren und sorgte für einige Entdeckungen wie Virginie Despentes und Annie Ernaux. Außerdem besprochen haben wir folgende Autorinnen: Naomi Aldermann, Margaret Atwood, Liv Strömquist, Banana Yoshimoto, Michaela Murgia, Chris Kraus, Isabel Greenberg, Olga Slawnikowa.

Unser internationale Autorin des Jahres 2017:

Liv Strömquist, Der Ursprung der Welt: Graphic Novels sind die Ausnahme auf pinkmitglitzer. Vielleicht sind wir deshalb umso begeisterter von Liv Strömquist, die der Debatte um Gleichberechtigung von Mann und Frau eine unerhört ungehörte, amüsante Sichtweise verleiht und der Thematik die Schwere nimmt, ohne dabei an Nachdruck zu verlieren, im Gegenteil!


Das diesjährige Gastland Georgien hält sich in den Vorschauen des Frühjahrs noch bedeckt, mehr georgische Literatur wird sich wohl erst im Herbst auf dem deutschen Büchermarkt finden. Wir bleiben gespannt, hoffen insgeheim auf einen neuen Roman von Nino Haratischwili und freuen uns bis dahin auf:

#Nadja Spiegelman Was nie geschehen ist: Das Memoir einer Tochter aus gutem Hause, das in den USA mit Elena Ferrante verglichen. Erzählt wird nicht die Geschichte zweier Freundinnen, sondern einer Mutter-Tochter-Beziehungen über vier Generationen hinweg. Der Originaltitel I’m supposed to protect you from all this trifft den Ton des Buches gefühlt etwas besser.

#Virginie Despentes Das Leben des Vernon Subutex 2: Startpunk des zweiten Teils der Trilogie ist die Parkbank. Dann geht es wie gehabt über Facebook und Whatsapp Gruppen weiter quer durch die französische Gesellschaft. Virginie Despentes schreibt radikal fantastisch.

#Deborah Levy Heiße Milch: Auf die Shortlist des Man Booker Prize hat es auch der neue Roman von Levy geschafft. Sie erzählt ebenfalls von einer Mutter-Tochter-Beziehung, konzentriert sich aber auf gegenseitige Abhängigkeit und physische Auswirkungen.

#Sana Krasikov Die Heimkehrer: Der etwas andere American Dream: Die Amerikanerin Florence verlässt die USA während der Depression in den 1930ern und versucht ihr Glück in der Sowjetunion. Über 800 Seiten erzählt die gebürtige Ukrainerin Krasnikov eine Familiensaga mit dunklen Geheimnissen.

 

Diese Romane haben uns 2017 überrascht:

Beim Blättern durch die Vorschauen der Verlage und Lesen der Klappentexte entstehen zwischen uns immer die wildesten Spekulationen über den Erfolg, nicht-Erfolg oder mögliche Longlist-Plätze.

Nicht auf dem Schirm hatten wir folgende Autorinnen, die uns 2017 begeistert haben:

#Julia Wolf, Walter Nowak bleibt liegen: Die Frankfurter Verlagsanstalt ist immer gut für einen literarischen Juwel (s. Nino Haratischwili, Das Achte Leben) und diese Autorin gehört dazu.

#Kate Tempest, The Bricks That Built The Houses: Glitzer wehrte sich vehement gegen den Hype, findet aber kein schlechtes Wort dagegen.

#Annie Ernaux, Die Jahre: In der Stille liegt die Kraft dieser Autorin. Eine Lebensgeschichte erzählt anhand von Werbespots und Abendessen mit der Familie.

#Chloe Aridjis, Buch der Wolken: Leider ist dieses Debüt in der Masse der Neuerscheinungen etwas untergegangen. Zu Unrecht! Am besten zusammen mit der französischsprachigen Graphic Novel kaufen!

 

Von diesen Romane hatten wir uns 2017 mehr erhofft:

Wenn Erwartungen enttäuscht werden, ärgert man sich umso mehr. Hier eine kleine Auswahl an Romanen, die uns 2017 nicht überzeugt haben:

#Annie Proulx, Aus hartem Holz: Die Autorin von Brokeback Mountain erzählt auf über 700 Seiten eine zähe Geschichte über Holzhandel und harte Männer. Nichts für Pink.

#Theresia Enzensberger, Blaupause: Eine junge Frau schlägt sich durch die 20er Jahre am Bauhaus. Klingt spannend. Schade, dass Protagonistin und Sprache so altbacken geworden sind.

#Olga Grjasnowa, Gott ist nicht schüchtern: Der inzwischen dritte Roman von Olga Grjasnowa, der trotz aktueller Thematik nicht an ihr Debüt herankommt.

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