Isabel Greenberg, The One Hundred Nights of Hero

Dieses Bild zeigt das Cover von Isabel Greenbergs Graphic Novel "The 100 nights of Hero".

„Fact: There are no good women.“

Nein, kein Tweet von Donald Trump, sondern der Ausgangspunkt für Isabel Greenbergs Graphic Novel „The One Hundred Nights of Hero“.

Zwei Männer schließen eine Wette ab: Der eine, Manfred, ist fest davon überzeugt, dass Frauen nichts weiter als hinterhältige, untreue und dazu teuflisch langweilige Biester sind. Er habe noch keine getroffen, die seinen Idealen entspräche: „Beautiful. Clever, enough to have a conversation, not clever enough to disagree with me. Obedient. Chaste. Good at mending socks. NOT ambitious.“ Sein Bekannter hält dagegen. Seine Frau sei die Tugend in Person und würde ihn niemals betrügen, selbst in den 100 Tagen nicht, die er seinem Freund lässt, um ihm das Gegenteil zu beweisen.

Natürlich bekommt seine Ehefrau Cherry Wind davon und schmiedet gemeinsam mit ihrer Geliebten, der Dienerin Hero, einen Plan um diese 100 Nächte zu überstehen.
Ab sofort bekommen die beiden jeden Abend Besuch von Manfred, der sich schon als Gewinner der Wette wägt. Doch sie schaffen es den Spieß umzudrehen und stattdessen ihn zu verführen. Über die Nächte verteilt erzählen sie ihm Geschichten, deren Ausgang er vor Spannung nicht erwarten kann und jeden Tag wiederkehrt um die Fortsetzung zu erfahren. Mit der Zeit werden selbst die Wächter zu Fans und die Geschichten werden über die Grenzen des Schlosses hinweg weitererzählt.

Diese Überlebensstrategie kennt man bereits aus dem arabischen Märchen „1001 Nacht“. Auch dort rettet sich die kluge Scheherazade vor der Enthauptung durch den Herrscher mit Erzählungen, die bald so ineinander verschachtelt sind, dass es alleine Tage dauern würde sie wieder zu entwirren. Schlussendlich schafft sie es dadurch ihrem Urteil zu entgehen. Auch die neue Netflix Serie „The OA“ thematisiert das Storytelling an sich und füllt die Rahmenerzählung mit Geschichten deren Weiterführung man nur schwer erwarten kann. Ja, das gesamte Phänomen des „Binge Watchings“, des exzessiven Ansehens mehrerer Folgen einer Serie hintereinander, lässt sich auf die Kraft zurückführen, die eine gute Geschichte haben kann. Den Stoff für ihre Erzählungen nahm Greenberg aus alten Volksliedern und Märchen.

So viel sei verraten: Auch Cherry und Hero schaffen es am Ende ihr Schicksal abzuwenden. Bis dahin wird man aber auch als Leserin verführt und bangt von einer zur nächsten Geschichte.

Ein Auszug aus der Graphic Novel

„What shall this story be about?“– Ein Auszug aus der Graphic Novel

Es geht um „fate and fury and misery and passion and lust“ und mutige Frauen „who don’t take shit from anyone“. Einige davon schließen sich zur „League of Secret Storytellers“ zusammen und trotzen so einem Leseverbot, das ihnen von Männern auferlegt wurde, die in lesenden Frauen eine revolutionäre Bedrohung sehen.

„The One Hundred Nights of Hero“ ist eine packende, amüsante und wunderschön illustrierte Liebesgeschichte. Als kleines Mädchen hätte ich sicher nur die Hälfte der Themen verstanden, die hinter der offensichtlichen Handlung stecken, trotzdem hätte mir einzelne Szenen auf Papier abgepaust. Und ich hätte mir gewünscht zur „League of Secret Storytellers“ zu gehören um noch mehr über Cherry, Hero, Mrs A, die 12 Schwestern und den Mond zu erfahren. So viele weibliche Heldinnen um sich zu haben, tut gut und macht Hoffnung in einer Zeit in der Women’s Marches zur Notwendigkeit geworden sind.

P.S.: 2017 soll die Graphic Novel auch auf Deutsch übersetzt werden.

Erster Satz: „Are you ready?“
Wort des BuchesMoon
Hat mich erinnert an: „Der durch den Spiegel kommt“, Kirsten Boie.


Isabel Greenberg, The One Hundred Nights of Hero, Little, Brown and Company, um die 200 Seiten

von

Spätestens als sie in Freundschaftsbüchern "Iris Radisch" als ihr Vorbild angab, war klar, dass Glitzer irgendwann einmal etwas mit Büchern machen würde. Dass es sie als Bayerin mit besonderer Vorliebe für frische Brezeln nach Hamburg verschlagen würde, hätte sie jedoch nicht für möglich gehalten. Nach einem Komparatistikstudium in Wien entwickelt sie heute Konzepte und Ideen für die digitale Welt. In der U-Bahn trifft man sie trotzdem immer noch ganz analog mit einem Buch in der Hand.

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